DWI
Wein & Schokolade
Ein himmlisches Vergnügen betört die Sinne

von DWI / Wulf Wager


Interessant: Zarter Schmelz weißer
Schokolade und edelsüße Weißweine
ergänzen sich wunderbar. Foto: DWI
Zarter Schmelz, unvergleichliche Süße, feine Würze – ist das Wein oder Schokolade? Beides kann mit dieser genüsslichen Beschreibung sehr gut getroffen sein. Denn Wein und Schokolade haben weitaus mehr gemeinsam, als allgemein angenommen. Vor allem lassen sie sich wunderbar kombinieren und ermöglichen so völlig neue Genusserlebnisse – zum Dahinschmelzen!


Der Wein, wie auch der Kakao, die Basis guter Schokolade, zählen beide zu Kulturgütern mit einer Jahrtausende alten Tradition. Als „Speise der Götter“ verehrten bereits die Azteken die Früchte des Kakaobaumes ebenso wie die Griechen Dyonisos, den Gott des Weines. Dabei ist die Schokolade wie wir sie heute kennen bei Weitem nicht so alt wie der Wein. Die Milchschokolade wurde erst 1872 von Rudolf Peter Lindt und Peter Daniel erfunden.

Die Kombination von Wein und Schokolade galt lange Zeit als ein Tabu und viel zu lange hatten sich die Genießer dieser Welt einen ganz besonderen Genuss vorenthalten. So, wie man einen Wein nach seiner Farbe, dem Geruch und Geschmack erkundet, sollte man sich auch der Schokolade widmen.



Reihenfolge entscheidet

Die Farbe lässt Rückschlüsse auf den Kakaoanteil zu – je dunkler desto höher –, der Geruch betört bisweilen die Sinne und der Geschmack ist nahezu ebenso vielfältig wie beim Wein. Es empfiehlt sich zunächst den Wein und die Schokolade in dieser Reihenfolge separat zu probieren. Anschließend lässt man ein kleines Stück Schokolade im Mund anschmelzen, nimmt einen Schluck Wein dazu und lässt sich von dem Aromenspiel überraschen. Wie beim Wein, sollte auch bei der Schokolade die Serviertemperatur beachtet werden. Bei Zimmertemperatur (20-22 Grad) serviert, entfaltet Schokolade ihren Geschmack optimal. Grundsätzlich gilt: Je süßer die Schokolade, desto süßer und milder im Hinblick auf die Weinsäure sollte der Wein sein, damit die delikate Balance gewahrt bleibt. Die Liaison der Schokolade mit dem Schmelz und der üppigen Kraft eines edelsüßen Weines wie beispielsweise einer Beerenauslese oder gar Trockenbeerenauslese zeigt echte Verführungskünste.



Delikate Balance

Auch Rotweine sind als Begleiter von Schokolade willkommen. Hier gilt: Je höher der Anteil an Kakao in der Schokolade ist, desto ausdrucksvoller kann der Wein sein. Harmonische Verbindungen von trockenem, frischem Weißwein mit Schokolade sind optimal, wenn die Schokolade natürliche Fruchtaromen beispielsweise von Birnen oder Ananas mitbringt, die auch im Wein zu finden sind. Dabei sollte der Wein in der Säure nicht zu dominant sein.


Harmonische Süße

Vollmilchschokolade enthält neben Kakaobutter auch einen Anteil des bitteren Kakaopulvers, durchschnittlich 32%. Die höheren Schokoladenqualitäten zeichnen sich durch harmonische Süße aus. Vollmilch oder Sahne mildern den bitteren Kakaogeschmack und verleihen ihr den berühmten zarten Schmelz, der in der Kombination mit Wein vor allem auch beim Weißwein gefragt ist. Edelsüße Auslesen und Beerenauslesen von Riesling oder Silvaner sind ideale Begleiter. Beim Rotwein ist es nicht Süße, sondern Frucht und Würze, was ihn zum perfekten Begleiter von hochwertiger Vollmilchschokolade kürt. Trockene Tropfen mit geschmeidigen Gerbstoffen und einer gewissen Reife, etwa Dornfelder, sind hier gefragt. Dann lockt die Schokolade die feinen Nuancen, oft auch pfeffrige Noten, die als Tüpfelchen auf dem „i“ dieser Kombination wirken.

Bitterschokoladen in Verbindung mit Wein sind ein Klassiker. Halbbitter-Schokolade enthält einen Kakaogehalt von über 65%, die echte Bitterschokolade sogar über 70%. Entsprechend reduziert ist ihre Süße. Der passende Wein dazu zeigt sich idealerweise mit weichen Tanninen und einer dichten und vollmundigen Struktur und der gleichen feinen Eleganz wie die Schokolade: Viel versprechende Genusspartner sind ausdrucksvolle trockene Lemberger sowie ein kraftvoller trockener Dornfelder oder Regent.


Würzige Noten

Genial: Ein wunderbares Geschmacks-
erlebnis – Muskattrollinger und Rosen- schokolade. Foto: Wulf Wager
Haselnuss und Mandel verleihen einer Schokolade diesen köstlichen Nussgeschmack, der durch das Rösten verstärkt wurde. Eine wunderbar harmonische Kombination mit Wein entsteht mit süßen oder schweren Weißweinen, wie auch mit fülligen und dichten Rotweinen. Die Weißweine dürfen etwas trockener sein, wenn sie im Alkoholgehalt höher liegen (d.h. über 13% vol.). Die Kraft und Fülle beispielsweise eines Rotweins der Sorte Dornfelder oder auch Lemberger mit Aromen von roten Früchten, bietet dem geschmacklichen Konglomerat von Nüssen und Kakao ebenfalls ein ideales Gegenstück und verbindet sich sehr gut mit diesen Aromen.

Schokoladen mit Gewürzen wie beispielsweise Chili oder Ingwer bereichern derzeit zunehmend das Angebot. Sie harmonieren sehr gut mit Barriqueweinen, die ebenfalls würzige Noten, gepaart von Röstaromen mitbringen. Edelherbe Schokolade mit einer Spur von Schärfe, passt zu einem kraftvollen Rotwein aus dem Barrique. Zu Milchschokoladen z.B. mit Pfeffer dürfen auch weiße Barriqueweine der Sorten Weißburgunder, Grauburgunder oder Chardonnay gereicht werden.



zurück